Wie ich mich selbst demotivierte und was ich dagegen unternommen habe

Es fällt mir nicht leicht, über so ein privates Thema öffentlich zu schreiben. Gerne bin ich selbstbewusst, gerne habe ich alles unter Kontrolle und gerne berichte ich von meinen Erfolgen. Aber es ist mir unendlich wichtig und deswegen schreibe ich heute über ein Thema, das mich zur Zeit unheimlich beschäftigt.

Ich fühle mich seit Wochen vollkommen ausgepowert. Das Schreiben will irgendwie nicht so richtig gelingen. Wenn es gut geht, schaffe ich so zwei bis drei Szenen pro Tag, an schlechteren Tagen (und die überwiegen gerade) ist es gerade mal eine Szene oder überhaupt keine.
Das Wetter wird besser, wir sind endlich im Frühling angekommen. Der Garten verlangt nach Zeit und Aufmerksamkeit. Die Kinder wollen raus, haben ihre Termine, wollen Freunde treffen und auf dem Spielplatz. Zwischendrin waren sie in den letzten Wochen auch immer mal wieder krank. Für mich ein riesiger Balanceakt, zeitlich alles unter einen Hut zu bringen.
Mein Zeitplan für Cheetah Manor 2 steht und ich halte mich ganz gerne an so etwas. Natürlich habe ich einen zeitlichen Buffer eingebaut.
In den letzten Wochen bin ich aus den oben aufgeführten Gründen extrem wenig zum Schreiben gekommen. Mein schlechtes Gewissen meldet sich oft – viel zu oft. Was ich im April nicht geschafft habe, habe ich mir im Mai obendrauf gepackt. Das hat mich noch mehr demotiviert, noch mehr ausgebremst. Es ging sogar so weit, dass ich mir überlegt habe, das Schreiben einfach im nächsten Jahr sein zu lassen. Der Spaß, die Motivation war ziemlich weg.
Zum Glück hatte ich dann jedoch drei Begegnungen, von denen ich euch gerne berichten möchte.

Ein Kommentar in einer Facebook-Gruppe

In einer FB-Gruppe wurde eine Frage gestellt. Den genauen Zusammenhang bekomme ich nicht mehr zusammen. Jemand meinte, ganz wichtig wäre ihr der freie Sonntag. Auch als sie studierte, arbeitete und was weiß ich noch alles machte, war der Sonntag frei. Boah, dachte ich mir. Wann hatte ich das letzte Mal einen freien Sonntag gehabt? Ehrlich, ich kann mich nicht wirklich daran erinnern. Wie an jedem Tag versuche ich auch meinen Wordcount am Sonntag zu schaffen und wenn die Familie den ganzen Tag unterwegs ist, dann setze ich mich auch abends um zehn Uhr nochmal hin. Damit muss Schluss sein.

Gespräch mit einer Autorenkollegin

Vergangenen Sonntag habe ich mich mit Stella Jante zum Mittagessen getroffen. Sie hatte in der Nähe eine Lesung und da war es für mich klar, dass ich da hinfahren muss, um sie endlich persönlich zu treffen. Im Gespräch hielt sie mir einen Spiegel vor. Wir haben zu dritt, also mit noch einer Autorin, eine Quasselgruppe, in der wir uns über wichtige und unwichtige Dinge austauschen. Dort sagte ich: Manchmal habe ich das Gefühl Vollzeitautorin zu sein und nebenher noch halbtags zu arbeiten.
Ja, diesen Satz habe ich gesagt, ihn aber von ihr zu hören, war noch einmal etwas ganz anderes. Das machte es plötzlich ziemlich real.

Ein Webinar über Zeitmanagement

Vergangene Woche besuchte ich ein Webinar mit Claudia Kauscheder von Abenteuer Home-Office zum Thema Zeitmanagement. Es ging darum, den Tag sinnvoll zu strukturieren. Claudia Kauscheder ist selbst seit Jahren im Home-Office tätig und hilft anderen ihr Selbstmanagement zu verbessern, um mehr Zeit für Herzensprojekte zu haben. Das Webinar hat mir unglaublich gut getan, denn ich wusste sofort, was ich falsch mache. Besonders hilfreich fand ich dazu die Zeit- und Projektplanung-Excel-Worksheets, die Claudia Kauscheder auf ihrer Seite vorstellt und zum download anbietet. Immer wieder betonte sie einen Satz: Arbeit die man nichts geschafft hat, nimmt man nicht mit in die nächste Woche. Der Satz hat etwas in mir in Gang gesetzt.

Was ich verändert habe

Ich achte weniger auf den Tageswordcount, sondern behalte den Wochenwordcount im Auge. Diesen habe ich für mich angepasst. Das, was ich im April nicht geschafft habe, habe ich nicht auf den Mai geladen, sondern werde ihn im Juni anhängen (wenn bedarf sein sollte). Und ich setze mich auch nicht mehr spätabends hin und schreibe. Wenn ich an einem Tag nicht dazukomme, ist das einfach so. Sonntags mache ich grundsätzlich frei. Das bedeutet nicht, dass ich an diesem Tag nichts machen darf, denn Schreiben benutze ich oft, um wieder herunterzukommen, mich zu erden. Es bedeutet lediglich, dass ich mir für diesen Tag nichts vornehme. Wenn ich Lust habe etwas zu tun, mache ich das. Wenn nicht, genieße ich den Tag. Arbeit nehme ich nicht automatisch mit in die nächste Woche. Manche Dinge müssen natürlich in der darauffolgenden Woche erledigt werden, aber deswegen muss ich nicht noch mehr machen. Dafür muss etwas gestrichen oder verschoben werden.
Ich habe mir auch Gedanken über Prioritäten gemach. Blogartikel, Newsletter und FB-Beiträge machen mir unglaublich viel Spaß. Diese wird es im gewohnten Rhythmus geben. Aber ich bin nicht Vollzeitautorin, ich bin allerhöchstens Halbzeitautorin. Ich muss nicht alle zwei bis drei Monate ein neues Buch herausbringen. Wenn ich durch den langen Veröffentlichungsrhythmus Leser verliere, dann ist das so. Mir ist die Freude am Schreiben wichtig und die will ich mir behalten.
Seit vier Tagen, versuche ich nun die oben aufgeführten Punkte umzusetzen. Zum ersten Mal seit Wochen ist der Druck endlich weg. Es ist, als ob ich plötzlich wieder arbeiten könnte. Das Schreiben macht mir wieder Spaß und ich freue mich auf meine abendliche Schreibsession (nicht spätabends, sondern vor oder nach dem Abendessen, wenn die Kinder fernsehen dürfen). Und wenn ich nun für das Manuskriptende noch eine Woche mehr brauchen, ist das auch kein Problem. Auch ein Buffer ist dafür da, ausgeschöpft zu werden. Davon abgesehen wird das Buch trotzdem im angedachten Zeitplan fertig werden.

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Ein Gedanke zu „Wie ich mich selbst demotivierte und was ich dagegen unternommen habe“

  1. Ich war ja 3 Wochen in Kur und hab da erst gemerkt wie sehr ich mich selber unter Druck setze und auch setzen lasse.Meine Lesemotivation war vor der Kur gleich null,in der Kur wollte ich dann endlich viele Bücher lesen und dann kam alles anders.Erstmal ist der Blutdruck entgleist samt Sehstörungen massivster Art und viele Gespräche mit betroffenen hielten mich dann auch vom lesen ab.Doch letztendlich ist mir klar geworden das nichts schlimmer ist als der ständige Versuch perfekt zu sein und es immer und allen recht zu machen.Nun versuche ich mir jeden Tag eine Zeit frei zuhalten die nur für mich ist ,in der ich evtl einfach nur rumsitze und nix mache und auch mal Mann und Tochter einfach mal ein Nein zu hören kriegen wenn es heißt : Kannst du mal eben ? Wie lange ich es durchhalte weiss ich nicht , aber nach jedem Nein ist der Druck etwas weniger und die Welt dreht sich trotzdem weiter.
    Also liebe Melissa setz dich nicht unter Druck,wir Leser nehmen auch dein Buch etwas später in die Hand .Keiner ist perfekt .
    Gestern abend ist es mir endlich gelungen Cheetah Manor runter zu laden aufs neue Tablett und ich konnte mit dem lesen beginnen.
    Nimm dir Zeit und nicht das Leben……..
    In diesem Sinne ein schönes Wochenende Ingeborg

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