Der Supergau

54462754_ Natchapon NilsontiVergangene Woche ist mir etwas passiert, was mich ziemlich aus der Bahn geworfen hat.

Nichts ging mehr

Ich war am Samstag gerade am Arbeiten, als das MacBook plötzlich ausging. Jeder Versuch, ihn wieder zu starten misslang. Die Diagnose meines Mannes am nächsten Tag lautete: Totalschaden! Der absolute Horror. Sonntag hin oder her, es musste schnellst möglich ein Ersatzgerät her. Der Preis war dabei eher zweitrangig – Hauptsache bald wieder weiterarbeiten können. Dank eines weisen Ehemannes, der sämtliche Preise verglich, entschied ich mich schließlich. Dann hieß es warten.

Im Urlaub verzichte ich bewusst auf meinem Laptop und habe damit auch eigentlich kein Problem. Aber diese Woche hatte ich ein Problem. Es ist furchtbar, nicht zu wissen, was an Daten noch alles vorhanden sein würde, wann der neue Computer da war und das Backup überspielt wäre. Gott sei Dank, mache ich automatische Backups und das Letzte war vielleicht einen Tag alt, als der Crash passierte.

Zeitdruck und Isolation

Dazusitzen, nichts tun zu können, obwohl man weiß, dass die Testleser auf den nächsten Teil warten und der Abgabetermin des Manuskripts immer näher rückt, ist furchtbar.
In meiner Verzweiflung kramte ich unser altes MacBook hervor. Der Akku lädt sich nicht mehr auf und wenn man etwas doof ans Stromkabel kommt, geht das blöde Ding einfach aus. Scrivener existierte auf diesem Gerät noch nicht, also kein vernünftiges Schreibprogramm. Gott sei Dank konnte ich damit wenigstens ins Internet. Das Lesen und Liken bei Facebook ging problemlos. Kommentare konnte ich auch schreiben, nur nicht abschicken. Aber netterweise ging die Privatnachrichtenfunktion. Ich kam mir trotzdem total isoliert vor. Passives facebooken ist äußert deprimierend.

Der Kopf platzt

Neue Ideen sammelten sich in meinem Kopf an. Schön, dass es wenigstens ein Open Office auf dem alten MacBook gab. Zumindest so lange, bis es abstürzte und mit dem Programm alles, was ich geschrieben hatte. Also ließ ich auch das wieder sein, bis ich das Gefühl hatte, mein Kopf würde platzen. Schließlich habe ich dann doch ganz altmodisch zu Stift und Papier gegriffen und das Wichtigste niedergeschrieben. Die nächste Kruento-Kurzgeschichte ist fertig geplottet. Jetzt muss sie nur noch geschrieben werden.
Fragt meine Familie, ich war die Tage wie ferngesteuert, unausstehlich und nicht wirklich ansprechbar. Ich habe mich gefühlt, als ob mir ein Stück meines Gehirns fehlte. Ich war wie blockiert, vom Kopf her total dicht.

Die Rettung

Das änderte sich urplötzlich, als der Paketdienst einen neuen Computer brachte. Das Backup zu überspielen dauerte nicht lange und mit Erleichterung durfte ich feststellen, dass mir lediglich der Trailer, an dem ich den ganzen Samstag saß, und eine halbe Seite Überarbeitung fehlte. In Anbetracht dessen, was noch alles hätte fehlen können, kann man das durchaus verschmerzen. Wie durch ein Wunder fühlte ich mich wieder vollständig. Die Gedanken, die die ganze Zeit in meinem Kopf feststeckten, flossen in mein Notizendokument. Seitdem bin ich wieder ansprechbar, genieße die Zeit zum Überarbeiten (auch wenn ich die fehlenden Tage deutlich merke). Das Leben ist wieder bunt, es ist schön und macht Spaß.

Meine Erkenntnisse

Ich werde weiter brav automatische Backups machen und hoffen, dass mich mein neues MacBook in den nächsten Jahren nicht im Stich lässt. Ich fühle mich ohne das Schreiben total ausgebremst. Es gehört für mich zum Leben und ohne es kann ich mir einen erfüllten Alltag nicht vorstellen. Ich bin dankbar, dieses Ventil für mich gefunden zu haben und dass ich so viele begeisterte Leser habe, die meine Liebe zu den Kruento teilen.

Bildquelle: siiixth / 123RF Lizenzfreie Bilder

2 Gedanken zu „Der Supergau“

  1. Hallo Melissa,
    ich bin heute aus dem Urlaub zurückgekommen und hab mich schon gewundert, wieso in meinem „Email-Berg“ nichts von dir dabei war. Nach dem obigen Artikel vermute ich darin den Grund. Gott sei Dank hast du ja noch ein aktuelles Backup gehabt.

    liebe Grüße
    Manfred

    1. Nein, lieber Manfred, das ist nicht der Grund. Ich habe nämlich beschlossen, dir alles komplett zuzuschicken und bin noch in den letzten Zügen. Im Lauf des Abends bekommst du aber noch Post 😉

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