Muss man als Autor sein Buch verschenken?

grastisSeit einigen Tagen spukt mir ein Thema immer wieder im Kopf herum. Es beschäftigt mich so sehr, dass ich es gerne mit euch teilen möchte. Es sind nur noch ein paar Wochen, dann wird meine Novelle Heimatlos käuflich zu erwerben sein. Für mich als Selfpublisher, der die kompletten Kosten allein trägt, ein großer Schritt, der mit viel Herzklopfen einhergeht.
Schön länger beobachte ich den Buchmarkt als Leser, habe mich aber auch als Autor inzwischen eingearbeitet.

Es ist bekannt, dass kostenlose Aktionen bei Amazon lange nicht mehr so wirksam sind, wie es noch vor einem Jahr war. Unter Autoren wird schon lange diskutiert, ob man bei solchen Aktionen sich nicht maßlos unter Wert verkauft. Fast ebenso beliebt, wie die Gratis-Aktionen ist es inzwischen, seine Werke reduziert anzubieten. Aber auch hier schreien immer mehr Autoren auf, wenn Werke (400 Seiten und mehr) für 0,99 Cent verkauft werden.

Was auch stetig zunimmt, sie die Anfragen nach Freiexemplaren zu Rezensionszwecken. Buchblogger schießen aus dem Boden. Ich mag Buchblogs, versteht mich bitte nicht falsch. Und ich finde es legitim, von Buchbloggern angeschrieben zu werden, ob man ein kostenloses Exemplar zur Verfügung stellt. Von Kolleginnen wurde mir berichtet, dass inzwischen auch Leser anfragen, die auf Amazon ihre Rezension veröffentlichen. Gibt man nun großzügig ein Rezensionsexemplar? Lehnt man ab und lässt es darauf ankommen, dass man kurz darauf eine Ein-Sterne-Rezension bekommt? Ja, auch das ist einer Autorin passiert. Wie viele eBooks (und ich spreche hier bewusst nicht von Printbüchern) verschenkt man?

Gewinnspiele erfreuen sich in den Social-Medien auch immer größerer Beliebtheit- zumindest wird es aus meiner Sicht immer mehr. Mindestens einen Werbepost finde ich täglich in meiner Timeline. Ständig werden eBooks, Printbücher Goddies und vieles mehr verlost. Natürlich ist das schön. Aber bei der Flut an Gewinnspielen, die es vor und nach der Buchmesse gab, geht ein einzelnes Gewinnspiel unter. Jetzt kommt Ostern und ich habe so das Gefühl, jeder Autor, viele Facebookgruppen, jeder, der auf sich etwas hält, wird ein Gewinnspiel veranstalten. Macht das als Autor überhaupt noch Sinn mitzumachen? Printbücher und Goodies, die verschickt werden müssen kosten zusätzlich zum Warenwert auch noch Porto, die niemand anderes trägt als der Autor selbst. Unterm Strich immer ein großes Draufzahlgeschäft. Aber warum stellt ein Autor dann einen Gewinn zur Verfügung? Er will bekannter werden, sein Produkt verkaufen. Aber bei über dreißig Autoren, die ein eBook zu einem einzigen Gewinnspiel bereitstellen – wohlgemerkt bei einem einzigen Gewinnspiel – frage ich mich schon, was das überhaupt bringt. Viele Autoren, die bei Verlagen sind, müssen jedes einzelne Print- und auch eBookexemplar aus eigener Tasche zahlen. Das bedeutet, wenn ich von meinem Verlag pro verkauftes eBook 1 Euro bekomme und das Buch für 3,99 verkauft wird, zahle ich für jedes eBook, das ich verlose 2,99 Euro drauf und streich dabei absolut keinen zusätzlichen Gewinn ein. Manchmal abe ich so das Gefühl, dass wird überhaupt nicht mehr wertgeschätzt. Den Indieautoren geht es ähnlich. Ein professionell aufgezogene Vermarktung (Lektorat, Cover, Werbung) liegt im vierstelligen Bereich. Je nach Distributor bleiben von einem 2,99 Euro Buch etwa 0,90-1,10 Euro (bei Amazon direkt noch etwas mehr) für den Autor übrig. Jeder kann sich nun ausrechnen, wie viel ein Autor verkaufen muss, um einen vierstelligen Betrag wieder hineinzubekommen. Für eine Leserunde stellt ein Autor zwölf Bücher zur Verfügung. Für ein Gewinnspiel, das er auf seinem Blog macht, drei eBooks. Für eine Blogtour nochmal drei Exemplare. An Rezensionsexemplar gehen zwanzig Stück auf Reise, etwa die Hälfte melden sich überhaupt nicht mehr, bedeutet im Netz berichten nur zehn Blogs über das Buch. In den folgenden zwei Monaten macht er bei diversen Gewinnspielen mit und stellt weiter zehn Exemplare zur Verfügung. Nach drei Monaten läuft das Buch nicht mehr gut, also wird es auf 0,99 Euro reduziert. Die Preisspanne reduziert sich auf 0,30-0,35 Cent.

Wie soll man da noch so viel verdienen, dass sich die Kosten decken? Und ich rede hier nicht von einer Gewinnausschüttung. Ich selbst habe einen Brotjob, das Schreiben – auch wenn ich es so professionell wie möglich betreibe – ist ein Hobby. Es gibt jedoch durchaus Autoren, die davon leben müssen. Wie sie das schaffen, ist mir derzeit noch ein Rätsel.

Ich will hier keinen Jammerpost schreiben, sondern nur auf ein Thema aufmerksam machen, das mich derzeit einfach beschäftigt.

Wie siehst du das als Leser? Wie siehst du das als Autor? Habe ich einen Aspekt falsch beleuchtet, siehst du es ganz anders? Habe ich etwas übersehen? Oder stimmst du mir zu, vielleicht auch nur in Teilaspekten?

6 Gedanken zu „Muss man als Autor sein Buch verschenken?“

  1. Eine allgemeine Antwort gibt es nicht. Jeder, der den Traum vom eigenen Buch lebt, muss individuell zugeschnitten auf seine eigenen Bedürfnisse und Möglichkeiten entscheiden, wie weit er mit seinem werblichen Einsatz geht. Abgabe zum Nulltarif oder zum reduzierten Preis? Frei- bzw. Leseexemplare? Teure Anzeigen? – Nach oben ist der Himmel offen …

    1. Hallo,
      mir geht es in erste Linie nicht darum, was ich persönlich an Geld in die Veröffentlichung hineinstecke. Das muss jeder selbst wissen und das, was ich inverstiere, tu ich mit überzeugung.
      Wenn man aber eine schlechte Rezension bekommt, nur weil man abgelehnt hat, ein Rezensionsexemplar zu verschenken, oder sich von anderen blöd anreden lassen muss, weil man für ein Gewinnspiel nichts zur Verfügung stellt, dann ist doch etwas nicht in Ordnung.

      Liebe Grüße,
      Melissa

  2. Hallo Melissa,
    ich kann mich dazu im Moment nur als Leserin und Buchbloggerin äußern, da ich als Autorin noch kein Buch herausgebracht habe.
    Ich frage selber nie nach Freiexemplaren, die Autoren kommen auf mich zu. Warum? Ich möchte mich nicht verpflichtet fühlen, eine positive Rezension zu schreiben, weil ich mir das Buch „erbettelt“ habe.
    Man sollte sich als Autor auch nicht erpressen lassen. Sinnvoller ist es sich eine Community aufzubauen, die für genug positive Rezensionen sorgt. Dann sind ein oder zwei negative auch kein Problem.
    E-Books gratis oder für 99 Cent abgeben, würde ich nur als Promotion-Aktion für einen begrenzten Zeitraum machen. Der richtige Preis ist natürlich immer ein Problem. Ich denke schon, dass ein eBook billiger sein sollte als die Print-Ausgabe. Ich würde mich da an den Preisen anderer Autoren im gleichen Genre orientieren. Wenn alle ihre Bücher für 2,99 verkaufen, wirst du kaum Chancen haben 5,99 zu bekommen.
    Gewinnspiele halte ich nicht (mehr) für sinnvoll. Davon gibt es einfach zu viele.
    Viele Grüße
    Ann-Bettina

    1. Hallo-Ann-Betinna,
      vielen Dank für deine Meinung als Leserin udn Buchbloggerin.
      So wie du das handhabst mit Rezensionsexemplaren finde ich es voll in Ordnung. Ich kenne und schätze viele Buchblogger, die wirklich produktiv mit Autoren zusammenarbetien, so das beide Seiten etwas davon habe. Leider gibt es eben auch die andere Seite.
      Das mit den Gewinnspielen geht inzwischen vielen so. Es ist nur als Autor die einfachste Möglichkeit, auf sich aufmerksam zu machen. Nur wenn alle nach Aufmerksamkeit schreien, wird es so laut, dass eine einzelne Stimme leider nicht mehr gehört wird.

      Liebe Grüße,
      Melissa

  3. Liebe Melissa, ich finde es toll, dass jemand dieses Thema anspricht. Ich selbst habe vor ein paar Tagen einen Erlebnisroman veröffentlicht. „Gefangen im System Schule“ von Paula Johannson. Ich habe dafür 2 Monate Notizen angefertigt, recherchiert und dann schließlich ganze 3 Monate an reinen Schreibarbeiten aufgebracht. Das ist eine ganze Menge an Leistung, an tatsächlicher Arbeitsleistung, die ich hier erbracht habe. Diese möchte ich auch honoriert wissen. Verschenken, Gewinnspiele… Das würde mir nie in den Sinn kommen. Wenn du zum Bäcker gehst, musst du den Kuchen auch bezahlen, schließlich hat ihn der Bäcker oder Konditor mit etlicher Arbeitsleistung hergestellt. Lass dich nicht auf so etwas, bitte. Ich selbst habe 35 großen/bekannten Verlagen Exposés zugesandt, alle haben abgelehnt, da ich keinen Namen wie Charlotte Link trage oder die Thematik nicht verlegt werden wollte. Also bin ich zu tredition gegangen 149,- € Basispaket) und bin überaus zufrieden, auch mit dem Marketing. Übernächste Woche kommt eine Reporterin unserer lokalen Landeszeitung und macht ein Interview mit mir, eine Viertelseite in der Samstagsausgabe. Was will man mehr. Einfach anrufen, Zeitungen warten darauf. Ich habe einen Blog ins Leben gerufen und nach 4 Wochen schon 625 Besucher http://paulasschulgedanken.wordpress.com . Ich habe Flyer gedruckt und Bekannten in ganz Deutschland zugesandt mit der Bitte um Verteilung. Aber stets achte ich darauf, dass die Leute mein Buch kaufen. Ich habe schließlich dafür gearbeitet. Qualität setzt sich durch, ist dein Buch gut, spricht es sich herum und die Leute kaufen es auch. Glaub mir. Es dauert nur ein paar Wochen. Mir ging es allerdings in erster Linie um die Vermarktung deswegen, weil ich meine Geschichte nicht unter den Teppich gekehrt haben wollte.
    LG Paula
    (ich habe schon 75 Bücher verkauft, in 10 Tagen…, schön dumm für die großen Verlage, aber sie wollten ja nicht, aber meinen Einsatz habe ich längst raus) ?

  4. Hallo Melissa,
    Ich bin mein Autor, sondern nur ein kleiner Blogger. Habe es aber in 4 Wochen 700 Besucher, 21 follower und 18 in Twitter (2Wochen)bekommen. Habe vorher hauptsächlich in Vor ablesen und lovelybook gelesen.
    Bin Vor 2 Wochen auf indie-autoren.com stossen und mitglied auf dieser Seite geworde, ebenso be eWriter. Da ich die Probleme der Selfpublisher erkannt habe, habe ich eine Serie über indie-Autoren gestartet. Ich will dafür keine kostenlose Exemplare, ich schreibe hauptsächlich kurz Rezi aus den Leseproben. Wenn ich eine xxl Leseprobe erhalten, kann ich das Buch besser beurteilen. Will der Autor eine komplett Rezi, freue ich mich natürlich über ein rezi Exemplar. Bis jetzt habe ich einen Autor vorgestellt und ein zweiter ist in Arbeit. Desweiteren liegen mehrere Anfragen von Autoren vor. Falls es Dich interressiert kannst du gerne auf meinem Blog nachschauen.
    Ich bin ganz Deiner Meinung das man nichts zu verschenken hat, da ich auch Selbstständig bin weiss ich von Du sprichst.
    Ich halte bei viel von dem Spruch, weniger ist manchmal mehr.
    So würde ich mit kostenlose Exemplaren an Deiner Stelle umgehen.
    LG
    Uli

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