Cheetah Manor: Die Wahrheit über Baumwollplantagen

Ich bin ein großer Fan von gut recherchierten Geschichten, deswegen lege ich großen Wert auf Plausibilität.

Dennoch schreibe ich im Fantasy-Genre und da muss man es mit der Realität nicht ganz so genau nehmen. Heute möchte ich dir gerne ein wenig mehr über Baumwollfarmen erzählen: harte Fakten und hinzugedichtete Realitäten, die meiner Fantasie entsprungen sind.

Fakten, die der Wahrheit entsprechen

In Louisiana wird Baumwolle angebaut. Louisiana, Mississippi und Tennessee produzieren 30% der amerikanischen Baumwolle. Von Mitte April bis Juni findet die Aussaat statt. Gerade größere Plantagen bepflanzen zeitversetzt. Zuerst wächst die Pflanze und blüht in einem wunderschönen Gelb. Aus der Blüte bildet sich eine Kapsel, die aufspringt, wenn die Baumwolle reif ist.

Wie in den meisten Monokulturen (und Baumwolle wird in der Regel als Monokultur angebaut) bleiben auch Schädlinge nicht aus. Zu den bekanntesten tierischen Schädlingen gehört der Baumwollkapselwurm. Durch Fressen an den Pflanzen bleiben die Baumwollkapseln leer und fallen schließlich ab. In der Regel werden solche Schädlingsbefälle zuungunsten der Qualität mit Chemikalien behandelt.

Louisiana gehörte im Amerikanischen Bürgerkrieg zu den Konföderierten Staaten. Auf den Plantagen wurden vorwiegend Sklaven eingesetzt. Keiner der Plantagenbesitzer wollte zu dieser Zeit auf seine »billigen Arbeitskräfte« verzichten. Heute übernehmen riesige Erntemaschinen das Abernten der Baumwollfelder und sind damit wesentlich effizienter als Arbeiter. Allerdings gelangen dadurch auch deutlich mehr an Pflanzenrückstände in die Baumwolle, die wiederum später maschinell aufbereitet werden muss. Während meiner Nachforschung bin ich auf keine große Plantage gestoßen, die heute noch von Hand pflückt. Lediglich bei kleinen Familienfarmen in Indien wird die Baumwolle noch in Handarbeit abgeerntet.

Dazugedichtet und meiner Fantasie entsprungen

Betreten wir nun den Bereich, den ich mir ausgedacht habe. Cheetah Manor gibt es natürlich nicht. In Louisiana gibt es viele ehemalige Plantagen auf denen nicht nur Baumwolle, sondern auch Zuckerrohr und anderes angebaut wurde. Die Oak Alley Plantation ist wohl die Bekannteste und Berühmteste von ihnen, an der sich auch Cheetah Manor orientiert.
Eine Baumwollplantage ohne Schädlinge ist wohl der Traum vieler Plantagenbesitzer. So lange es jedoch kein Cheetah Manor geben wird, wird auch die schädlingsfreie Baumwollplantage ein Traum bleiben.
Auch habe ich keine Plantage gefunden, die ohne Chemikalien arbeitet. Selbst Biobaumwolle wird mit biologisch abbaubaren Pestiziden behandelt. Alle halbwegs großen Baumwollfelder werden heutzutage mit Pflückmaschinen abgeerntet. Natürlich dauert es länger, wenn per Hand gepflückt wird, aber zugunsten der Reinheit der Baumwolle, habe ich mich dafür entschieden, auf die ursprüngliche Erntemethode für Cheetah Manor zurückzugreifen.

Damit du dir vorstellen kannst, wie das Pflücken vonstattengeht, ein Auszug aus Cheetah Manor – Das Erbe.

„Das ist reine Baumwolle“, erklärte ihr Darren stolz. „Würden wir die Felder mit Maschinen ernten, hätten wir viel zu viele Pflanzenreste darin. Nicht einmal die besten Rüttelmaschinen bekommen das wieder heraus. Deshalb ernten wir mit der Hand.“ Er hob den Arm und winkte einem älteren, tiefschwarzen Mann zu. „Elias, hast du zwei Säcke für uns?“
Ein breites Grinsen erschien auf dem Gesicht des Afroamerikaners, als er eine Reihe blitzweißer Zähne entblößte. „Für dich immer, Darren.“ Er holte von einem Truck zwei Stoffknäule und warf sie Darren zu, der sie mit Leichtigkeit auffing. Langsam wickelte er die Knäule auf, und zwei große Leinentaschen, wie sie die Ernter trugen, kamen zum Vorschein.
„Log geht’s, Chiquita.“
Überrascht fing Sarah die Tasche auf und sah zu, wie Darren sich seine umhing.
Zögernd tat sie es ihm gleich und lief ihm hinterher. Er betrat das Baumwollfeld und wartete an einer reifen Pflanze auf sie.
„Es ist überhaupt nicht schwer“, erklärte er, ohne aufzublicken. „Du zupfst die Baumwolle von der geöffneten Kapsel und steckst sie in den Sack. Wenn du vorsichtig bist, bleibt das Geäst an der Pflanze. Je sorgfältiger du zupfst, umso besser wird die Qualität der Wolle.“
Sarah versuchte sich an einer Pflanze. Gewissenhaft zog sie die reife Wolle von den Kapseln. Darren war bereits zwei Pflanzen weiter, als sie mit ihrer ersten fertig war. Dabei hatte er auch noch die andere Reihe neben sich abgearbeitet. Sie versuchte nun, an Tempo zuzulegen. Die Sonne brannte unbarmherzig von oben. Sarah war durstig, doch vor Darren wollte sie sich keine Blöße geben. Tapfer zupfte sie weiter. Die Zeit verging, und als sie sich umdrehte, sah sie, dass sie nur ein paar Meter geschafft hatte. Wie lange wollte Darren sie pflücken lassen? Er war bereits einige Meter vor ihr und unterhielt sich mit einer Afroamerikanerin, deren Alter sie nicht schätzen konnte. Sarah richtete ihre Aufmerksamkeit auf die nächste Baumwollpflanze und erntete das weiße Gold.
Irgendwo begann ein Mann zu singen. Ein weiterer stimmte mit ein. Der Gesang schwoll weiter an. Alle schienen das Lied zu kennen. Sarah hatte noch nie viel mit Blues anfangen können, fand die Musik immer viel zu unkoordiniert. Aber das hier gefiel ihr richtig gut. Es vermittelte eine Zusammengehörigkeit. Sie alle waren sowohl bei der Arbeit als auch im Gesang eine Einheit. Unwillkürlich wurde sie von der Musik gepackt und wippte im Takt mit. Die Arbeit ging viel leichter von der Hand und eine ungekannte Leichtigkeit erfasste sie. Die Müdigkeit, die sie zuvor ergriffen hatte, war wie weggeblasen. Lächelnd verrichtete sie ihre Arbeit, bewegte dabei den Kopf hin und her. So machte das Ernten wirklich Spaß. Die Zeit verging, und als sich Sarah umdrehte, sah sie den Beginn der Reihe, in der sie pflückte, nicht mehr. Die Musik wurde immer leiser, denn die Ernter hatten sie längst überholt und waren weitergezogen. Nur Darren war noch in ihrer Nähe. Sie wischte sich mit dem Handrücken über die schweißbedeckte Stirn und wünschte sich ein Handtuch.
„Du machst dich gut.“
Überrascht blickte Sarah Darren an, dessen Leinensack prall gefüllt war, während ihrer nur zur Hälfte voll war.
„Wow!“, murmelte sie sarkastisch. „Ein Lob aus deinem Mund.“
Spöttisch hob er eine Augenbraue. „Jedem das, was ihm zusteht.“ Er drehte sich zum Horizont und deutete in die Ferne. „Du hast noch einiges vor dir.“ Damit ließ er sie stehen.
Grimmig blickte sie ihm hinterher und fing dann wieder mit dem Pflücken an. Der Durst und die Hitze waren inzwischen unerträglich. Wenn sie nicht zusammenklappen wollte, musste sie einen Schluck Wasser auftreiben.
Ihr Retter in der Not war niemand anderes als Darren, der mit einem leeren Sack und zwei Wasserflaschen zurückkam.
„Du siehst aus, als könntest du etwas zu trinken vertragen.“ Überlegener Spott schwang in seiner Stimme mit, als er ihr die Flasche in die Hand drückte.
Sarah trank gierig. Sie fühlte sich tatsächlich wie eine Verdurstende. Auch Darren trank, schraubte die halb leere Flasche wieder zu und befestigte sie in einer Schlaufe rechts am Gürtel. Geduldig wartete er, bis Sarah ihre Wasserflasche geleert hatte, und fixierte sie an einer zweiten Schlaufe zu seiner Linken.
„Wie lange pflücken wir hier noch?“, platzte es aus Sarah heraus.
Darren grinste sie schief an. „Bis du mit deiner Reihe fertig bist. Es sei denn, du möchtest nach Hause fahren.“
Entschieden schüttelte Sarah den Kopf. Sie wollte nicht klein beigeben. Darren würde es als Beweis verbuchen, dass sie für eine Plantage nichts taugte. Diese Genugtuung wollte sie ihm nicht gönnen.

Cheetah Manor – Das Erb

Ich hoffe, du kannst dir nun ein Bild von der Erntearbeit machen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.