Regency – Kleider machen Leute

Was trug der Adel in der Regencyepoche? Die Zeit prägt die Vorstellung von Leichtigkeit und Eleganz, die sich auch in der Kleidung fortsetzt. Die griechischen Ideale kamen wieder in Mode und dementsprechend beeinflusste dies auch das Schönheitsideal.

Frauenkleidung

Frauen trugen schmale Kleider, die Taille befand sich direkt unter der Brust und rutsche erst mit den Jahren wieder nach unten. Es gab das Morgen- und Tageskleider sowie Abendkleidung. Während am Morgen die Ärmel bis zu den Handgelenken bedeckt sein musste, war es vertretbar, dass die Arme am Nachmittag bis zu den Ellenbogen frei waren. Dekolletee wurde erst am Abend gezeigt. Dann war auch schulterfrei akzeptabel.


Debütantinnen trugen pastellfarbene und weiße Kleider, während verheiratete Frauen eher zu kräftigeren Farben griffen.
Unterwäsche, wie wir sie heute kennen, gab es damals noch nicht. Eine Frau trug ein Unterkleid, das kürzer war als das Kleid, das sie trug und je nach Tages- oder Abendkleid auch einen entsprechenden Ausschnitt brauchte. In der Regel war es aus Baumwolle und konnte daher häufiger gewaschen werden, als die empfindlichen Oberkleider, die heißes Wasser und grobe Seife nicht vertrugen. Zwar wurde in Regency auf Korsetts verzichtet, dennoch experimentierten die Frauen mit Geräten, die die Brust anhoben und damit den gleichen Effekt wie Büstenhalter heute hatten. Diese Gestelle wurden in der Regel über dem Unterkleid getragen. Wer auf Unterhosen wartet, den muss ich an dieser Stelle leider enttäuschen. Die Unterhosen mit kurzen Beinen kamen erst Ende des 19. Jahrhunderts in Mode. Bis dahin ging Frau ohne. Dafür trug sie aber Strümpfe. Entweder aus Seide oder gestrickter Baumwolle. Festgehalten wurde sie mit einem Strumpfband unter dem Knie.


Es folgte die Oberbekleidung bestehend aus einem Petticoat. Diese waren in der Regel ärmellos, hatten einen hübschen Ausschnitt, der auch unter einem Kleid hervorblitzen durfte, und der Saum war nicht selten mit Spitze oder Rüschen verziert. Das eigentliche Kleid war aus dünnem Stoff und hielt nicht wirklich warm. Deswegen waren wärmende Tücher, Pelisses, Capes und dergleichen unverzichtbar.
Auch Accessoires gab es reichlich. Neben Schmuck verzichtete eine Dame von Stand nie auf ihren Hut, dessen Gestaltungsformen keine Grenzen gesetzt waren. Da die schmalen Kleider keinen Platz für Taschen mehr hatten, kamen Handtaschen in Mode. In der Regel waren es Beutel, die man am Handgelenk tragen konnte. Ohne Handschuhe verließ eine Dame natürlich nie das Haus und auch das Schuhwerk war schön anzusehen, allerdings auch wenig robust. Entweder trug man dünne Lederschlappen oder Schuhe aus Seide und Samt.

Männerkleidung

Auch die Männerkleidung war von der Antike geprägt, allerdings auch von der militärischen Ära. Ein Mann trug eher dunkle und satte Farben.
Die lange Baumwollhose war häufig beige oder hellbraun. Dazu trug man ein weißes Hemd mit Stehkragen, eine Weste und eine aufwendig gebundene Halsbinde. Der taillierte Gehrock reichte bis zu den Knien.
Trug man im 18. Jahrhundert die Haare noch lang, kam von an der Antike inspiriert die Kurzhaarschnitte in Mode. Ein Hut durfte einem Mann vom Stand natürlich auch nicht fehlen. Bei Kälte zog man über den Gehrock noch einen Kurzmantel oder ein Cape.

Achtung Lebensgefahr

Im 18. und 19. Jahrhundert wurde zum Einfärben von Kleidung gern Arsen für schöne Grüntöne verwendet. Das setzte vor allem den Menschen zu, die mit den Kleidern zu tun hatten. Bei regelmäßigem Kontakt führe die Arsenvergiftung mit Schüttelkrämpfen und Schaum vor dem Mund zum Tod.
Aber auch die Frauen, die diese Kleider trugen, litten an Übelkeit, Sehstörungen oder Ausschlag.
Wer der Ansicht ist, ein Mann müsste man sein, dem sei gesagt, auch ihnen erging es nicht besser. Lange Zeit waren Hüte aus Wollfilz beliebt. Diese wurden aus Kaninchen- oder Hasenfell hergestellt. Damit sie verfilzen, wurden sie mit Quecksilber gekämmt. Ja, eben jenes Gift, das den Menschen langsam aber sicher vergiftet.


Da die Hutmacher regelmäßig damit hantierten, litten sie zwangsläufig mit der Zeit unter Vergiftungserscheinungen. Häufig fing es mit zitternden Fingern an. Das Schwermetall setzt sich nicht nur in der Leber und der Niere ab, sondern auch im Rückenmark und im Gehirn. Neben Krämpfen und Zitteranfällen waren Bauchkrämpfe und Erbrechen ganz normale Vergiftungserscheinungen. Häufig waren Hutmacher auch etwas seltsam. Heute würde man wohl das Wort psychotisch benutzen. Auch dies war auf den regelmäßigen Kontakt mit Quecksilber zurückzuführen. Letztendlich führte die Quecksilbervergiftung zum Tod und so mancher Hutmacher starb in frühen Jahren.
Nach dem Filzen wurde der Hut allerdings mit Futter ausgekleidet und das Tragen war bei Weitem nicht mehr so gefährlich wie die Herstellung. Doch auch heute noch findet man in den Hüten des 18. und 19. Jahrhunderts noch Reste von Quecksilber.

Dennoch begeistern die schlichten Tageskleider, die aufwendigen Ballkleider und die eng anliegende Herrenkleidung noch heute die Menschen. Bleibt zu hoffen, dass es chemikalienfreie Nachbildungen sind und keine Originale.


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