Regency – Eine spannende Zeitepoche

Seit einiger Zeit erzähle ich immer wieder, dass ich an einem Regency-Roman schreibe und der ein oder andere Leser fragt sich, was eigentlich ein Regency-Roman ist. Das möchte ich dir gern in diesem Beitrag erklären.

Die Epoche

Regency ist eine Zeitepoche und umfasst in erster Linie den Zeitraum von 1810 – 1820 des Britischen Empires. Wenn es um Literatur, Mode, Kunst oder Architektur geht, wird die Epoche manchmal auch von 1790 bis 1830 gefasst.

Im Mittelpunkt steht das unbeschwerte Lebensgefühl, sexuelle und finanzielle Freiheit und Unabhängigkeit, wie der Prinzregent es selbst vorlebte.

Politisch gesehen

London ist nicht nur die Hauptstadt des Britischen Empires, sondern wird »Welthauptstadt«. Aufgrund seiner Krankheit konnte George III. nicht mehr regieren und sein Sohn, der spätere George IV. übernahm als Prinzregent die Regierungsgeschäfte. Aufgrund seiner Körperfülle hat er sich jedoch größtenteils aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen.

Der Krieg gegen Napoleon wird gewonnnen, Wellington und seine Männer sind aus dem Krieg zurückgekehrt. Premierminister ist Robert Jenkinson, Earl of Liverpool, der eher im Hintergrund bleibt und den Ratschlägen seiner Berater folgt.

Historisch gesehen

Die Zeit war geprägt von großen Umbrüchen. Während London zum Mittelpunkt der Welt wurde, versuchte Napoleon Europa zu erobern, die amerikanische Kolonie gewann seine Unabhängigkeit und die Britische Ostindien-Kompanie, eine Kaufmannsgesellschaft für den Indienhandel, brachte Arbeitsplätze und Wohlstand mit sich und bescherte London Ansehen und Wohlstand.

Neben politischen gab es auch soziale und landwirtschaftliche Umbrüche. Bahnbrechende Erfindungen veränderten das Leben, brachte Erleichterungen und Fortschritt. Das erste Dampfschiff überquerte den Atlantik, die erste Dampfdruckpresse wurde in London gebaut und das erste Gaswerk nahm seinen Betrieb auf. Die Zahnseide wurde erfunden und das Kaleidoskop patentiert. 

Beethoven komponierte in Deutschland und Österreich, Jane Austen schrieb und veröffentlichte ihre Romane und in Griechenland wurde »Venus von Milo« entdeckt.

Die Gesellschaftsschicht zwischen Arm und Reich war selten größer. Während der Adel sich die Zeit mit Müßiggang vertrieb, war in East End, eine der schäbigsten Gegenden Londons, Diebstahl, Frauenhandel und Alkoholkonsum an der Tagesordnung.

Geschlechterrollen

Ein adeliger Junge wurde in der Regel zu Hause von Hauslehrern erzogen. Fechten, Reiten und Schießen gehörten ebenso zur Ausbildung wie Geographie, Sprachen und Mathematik. Die Familien, die es sich leisten konnten, schickten die jungen Männer, die ein Amt in der Kirche oder eine politische Karriere anstrebten auf eine Universität. Wurde keine Karriere ins Auge gefasst, übernahmen die jungen Adeligen, die Verwaltung der Familiengüter. Von einem jungen Mann wurde erwartet, dass er sich die Hörner abstieß. Ausufernde Feste waren ein nicht zu verachtender Bestandteil der Regency-Ära. Aber auch Reisen und kulturelle Experimentierfreude waren akzeptabel. Männer heiraten durchschnittlich deutlich später als Frauen, mitunter kam es durchaus vor, dass der Altersunterschied enorm war.

Die Rolle der Frau war klar definiert. Ein Mädchen von Stand bekam eine gewisse Bildung, meist durch eine Gouvernante, später durch einen Hauslehrer. Die meisten der jungen Damen konnten schreiben und ein wenig rechnen. Auf Sprachen wurde dabei mehr wert gelegt als auf mathematisches Verständnis. Sobald sie das heiratsfähige Alter erreichten, wurden sie in die Gesellschaft eingeführt, um dort eine möglichst gute Partie zu machen. Um ihre Jungfräulichkeit zu bewahren, durfte eine junge Dame nie und unter keinen Umständen mit einem unverheirateten Mann allein zusammen sein. Mitte zwanzig galt eine unverheiratete Dame als alte Jungfer. Diese wurde dann nicht mehr so streng von der Gesellschaft bewacht und konnte unter Umständen selbst als Anstandsdame fungieren.
Grundsätzlich ging man davon aus, dass eine Frau nicht in der Lage war, über Besitztümer zu verfügen. Zuerst war sie Besitz des Vaters, des Bruders oder einen männlichen Familienoberhaupt. Mit der Heirat war sie ihrem Mann unterstellt. Auch ihre Mitgift ging in das Eigentum ihres Mannes über. Erklärtes Ziel einer Ehefrau war, möglichst schnell einen Erben zu bekommen. Schwangerschaft und die Geburt konnte sowohl für die Mutter als auch für das Kind gefährlich sein.

Grundsätzlich wurden Britische Titel und Ländereien nur an männliche Nachkommen vererbt. Weibliche Familienmitglieder wurden im Testament – wenn genug Geld vorhanden war, und es sich um ein umsichtiges Familienoberhaupt handelte – mit einem regelmäßigen Einkommen oder Wohnrecht, einer sogenannten Apanage, bedacht. Ansonsten waren sie der Gunst anderer Familienmitglieder ausgeliefert oder fristeten ein erbärmliches Dasein.
Nur selten erlangten Frauen nach dem Tod ihres Mannes eine gewisse Unabhängigkeit. Deswegen war es so wichtig, viele Kinder zu haben, die einen im Alter versorgen konnten.

Wenn ich den Begriff Regency verwende, steht weniger die genaue Zeitepoche im Mittelpunkt, sondern das Lebensgefühl, das die Regencyära vermittelt.



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